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Investment-Alternative

P2P-Kredite als Anlageklasse

von Tim Stockschläger
P2P-Kredite werden bei Investoren immer beliebter. Im günstigsten Fall winken zweistellige Renditen. Doch Anleger sollten das Risiko nicht unterschätzen.
Die Zinswende ist zu einem Running Gag mutiert. Investoren suchen verzweifelt nach Investitionsmöglichkeiten. Das Tagesgeld ist schon lange keine echte Option mehr. Und auch mit Festgeld können Anleger die steigende Inflation nur noch zum Teil ausgleichen.

Eine mögliche Alternative ist ein Investment in Privatkredite. P2P-Plattformen führen Investoren und Kreditsuchende zusammen. P2P oder ausgeschrieben Peer-to-Peer heißt dabei, private Investoren leihen ihr Geld konkret einer anderen Privatperson oder seltener einem Unternehmen. Zu den bekanntesten Anbietern hierzulande gehören etwa Auxmoney oder Smava. Aber auch ausländische Anbieter wie Mintos oder Viainvest aus Lettland  erhalten derzeit enormen Zulauf.

Zweistellige Renditen möglich
Investoren können oft konkret auswählen, wem sie das Geld geben. Investoren wählen nicht nach Name und Passfoto, sondern die Plattform stellt anonymisierte Daten zur Verfügung: Herkunft, Geschlecht und Alter stehen oftmals direkt neben dem Kreditbetrag. Anleger erhalten so das Gefühl mit ihrem Geld "etwas sinnvolles" zu unternehmen und andere Menschen zu unterstützen. Zugleich bieten die Zinssätze oft noch attraktive Renditen von drei bis zwölf Prozent pro Jahr.

Im Umkehrschluss bedeuten die hohen Zinssätze natürlich auch, die Kreditnehmer zahlen deutlich höhere Zinsen als bei konventionellen Banken. Die Plattformen nutzen jedoch andere Vergabe-Mechanismen, sodass Verbrauchern auch noch ein Kredit gewährt wird, wo Banken schon abwiegeln. Dieses höhere Risiko wird wiederum durch einen höheren Zinssatz ausgeglichen.

Risiko gut abwägen
Investoren sollten sich allerdings bewusst sein, dass sie oftmals direkt in den Kredit investieren und das Ausfallrisiko selbst tragen. Der deutlich über dem Marktzins liegende Zinssatz deutet dabei nicht nur auf eine schöne Rendite, sondern auch auf eine größere Gefahr eines Kreditausfalls hin. Daher lassen sich P2P-Kredite auch eher mit Junk-Bonds, also Unternehmensanleihen mit einem schwachen oder schlechten Rating, als mit dem Tagesgeld vergleichen. "Im Unterschied zum P2P-Kredit sind diese Anleihen aber börsennotiert, was diese Kreditnehmer zu hoher Transparenz verpflichtet", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegenüber biallo.de.

Weiterer Nachteil: Im Gegensatz zu klassischen Bankprodukten müssen sich Investoren von P2P-Krediten auch selbstständig um die Steuerthematik kümmern. Während Finanzinstitute die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent automatisch abführen, müssen Anleger das bei P2P Krediten selbst übernehmen. Beim Überschreiten des Freibetrages von derzeit 801 Euro (bei Ehepaaren 1602 Euro) wird die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent fällig, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Im Zweifel sollten Anleger einen Steuerberater für die Erstellung der Steuererklärung hinzuziehen.

Unterschiedliche Sicherheitsmechanismen

Einige Plattformen bieten ihren Investoren eine (Teil-)Garantie oder enen Ausfallschutz. Wenn ein Kreditnehmer ausfällt oder in Verzug gerät, ist somit nicht die gesamte Investition verloren. Anleger sollten sich die Bedingungen jedoch genau durchlesen, da jede Plattform sehr unterschiedliche Sicherheitsmechanismen nutzt: Von keinem Schutz bis zu einer vollständigen Erstattung der Investition im Verlustfalle schwankt das Angebot sehr stark von Plattform zu Plattform. Im ungünstigsten Fall ist der Einsatz verloren. Anleger sollten daher noch mehr als am Aktienmarkt ihr Investment streuen und diversifiziert in viele Kredite investieren.

Die beste Strategie ist es, kleine Beträge von unter 50 Euro auf mehrere Kredite zu verteilen, statt einen großen Betrag auf einzelne Kreditnehmer zu konzentrieren. "Durch eine Verteilung des Risikos auf viele Kreditnehmer lässt sich das Ausfallrisiko zwar reduzieren, aber nicht eliminieren", warnt Verbraucherschützer Nauhauser. Eine breite Diversifikation ist dabei je nach Anbieter gar nicht so leicht: Hier heben sich die lettischen Plattformen Mintos und Viainvest von ihrer Konkurrenz ab. Beide Anbieter ermöglichen einen niedrigen Mindestbetrag von zehn Euro, während das deutsche Portal Smava die Untergrenze für eine Investition bei 250 Euro setzt.

Diversifikation per Algorithmus
Für den Investor wäre es nun kompliziert, in hunderte Kredite jeweils einige Euro zu investieren. Viele Plattformen lassen Anlegern daher die Wahl, das Geld selbst auf einzelne Kredite zu verteilen oder ein Programm zur automatischen Anlage der freien Geldbeträge zu verwenden. Am Anfang ist es oft interessant, die Kredite persönlich auszusuchen und darin zu investieren. Doch schnell wird die Sucherei mühselig und Investoren greifen zum automatischen Anlage-Tool.

Das funktioniert je nach Plattform etwas unterschiedlich, ist aber leicht zu bedienen. Anleger wählen das gewünschte Risiko, den Zinssatz oder auch die Region aus und die Software legt das Guthaben diversifiziert in zahlreiche Kredite an. Dieser Anlage-Automatismus funktioniert zuverlässig und ist bei Investoren sehr beliebt. Er erleichtert erheblich die Diversifikation auf viele kleine Kredite und bringt mehr Sicherheit. Jedoch verfügen nicht alle Plattformen über die Möglichkeit, die Anlage automatisch verwalten zu lassen.

Als Beimischung durchaus einen Blick wert

Die Anlage in P2P-Krediten ist eine interessante und sehr junge Alternative zu klassischen Finanzprodukten. Als solche sind P2P-Kredite allerdings eher eine Beimischung als eine echte Alternative zu bestehenden Anlageklassen wie Aktien oder Immobilien. Daher sollten Anleger nie einen signifikanten Teil ihres Vermögens investieren. Bislang liegt zumindest der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg noch keine Häufung von Kundenbeschwerden vor, bestätigt Nauhauser. Als langfristiges Investment und zum Vermögensaufbau sollten Verbraucher dennoch auf bewährte Finanzprodukte setzen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Auch wenn das heißt, den einen oder anderen Prozentpunkt an Rendite zu verpassen.


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